Der Weg zum erfolgreichen OXID eShop Integrator

Es ist wie mit fast jedem anderen populären OpenSource Webapplikations-Framework: der Einstieg ist leicht, aber zur Meisterschaft ist es ein langer Weg. Je höher die Anforderungen der Spezifikation werden, umso mehr ist man (zum Glück) gezwungen unter die Haube des Frameworks zu gehen. Performancetuning für OXID – um nur ein Beispiel zu nennen – ist ein Problem, auf das wir als Entwickler in unserer Agentur fast täglich stoßen.

Ein anderes wiederkehrendes Thema ist die ständige Anpassung und Optimierung der Schnittstellen zu/von den externen Entitäten des Gesamtkonstrukts: ERP, Warenwirtschafts- bzw. Logistiksysteme, Paymentprovider, Suchlösungen, Marketingportale – die Liste ist endlos und die halbe Welt spricht konsequenterweise die Webservice-Sprache. Ein spannendes Umfeld, aber auch ein anspruchsvolles.

Der beste Lehrmeister ist hier – tataa… der Kunde! Und am besten viele davon! In einer Online-Agentur wird man mit der harten und agilen Realität des Onlinebiz konfrontiert. Das, was sich „da draußen“ online abspielt, ist extrem dynamisch und hochprofessionalisiert. Zudem sind wir mittlerweile in einer Zeit angekommen, in der einfach keiner mehr dieselbige hat – weder der eCommerce-Kunde noch der Händler. Alles muss schnell und perfekt funktionieren. Man wird innerhalb eines immer kürzer werdenden Zeitfensters nicht nur gezwungen, konsequent und gründlich zu arbeiten, sondern auch immer über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Ein erfolgreicher Onlineshop muss aus Entwickler-Sicht viele Erfolgsgaranten gleichzeitig bedienen:

  • Optimales Design für alle Endgeräte
  • Usability und Geschwindigkeit des Shops müssen parallel einhergehen – leicht gesagt, aber exponentiell im Aufwand
  • Kundenorientierte Fulfillmentprozesse werden als selbstverständlich angesehen. So z.B. extrem kurze Lieferzeiten und ein perfektes Retourenhandling
  • Die Marketingabteilungen werden immer enger mit der Entwicklungabteilung verdrahtet, weil man sich im je nach Nische mehr oder minder umkämpften Markt eigentlich kaum mehr Fehler erlauben darf. Jeder Fehler kostet schlichtweg Geld.

Die Liste ist natürlich nicht vollständig…

Was bedeutet das alles nun für den OXID-Integrator?

Den OXID Onlineshop zu installieren, das Theme anzupassen und dann zum laufen zu bringen, das ist die Spitze des Eisbergs. Man muss sich das so vorstellen: Das Kind schwimmt im Babybecken mit Schwimmflügeln. Bis zum Kitesurfer an der Atlantikküste ist es ein langer Weg.

Wie viele Leute in Deutschland einen OXID-Kompass für „Kitesurfer“ haben, spiegelt sich z. B. schon in der Anzahl der zur Verfügung stehenden Literatur: Es folgt eine Liste mit genau zwei Büchern – und das eine Buch ist gerade mal seit rund einem Monat auf dem Markt.

Erstens, das Buch „Online-Shops mit OXID eShop“ aus dem renommierten O’Reilly Verlag. Ein Buch für Redakteure. Selbstredend muss ein OXID Integrator dieses Buch quasi auswendig können – nur eine Erfahrung dazu: Ich habe schon einige Male erlebt, wie ein OXID-Entwickler ein Feature überflüssigerweise per Modul programmiert hat, welches man auch mit dem Setzen einer Checkbox im Performance-Reiter des OXID-Backends hätte abbilden können. Kurzum: Lesen ja, aber das ist nicht mehr als das Grundgerüst.

Zweitens, aus selbigem Verlag kürzlich erschienen: „OXID eShop Kochbuch“. Endlich hat sich jemand die Mühe gemacht, Rezepte für wiederkehrende Aufgabenstellungen eines OXID Integrators zur Verfügung zu stellen. Danke dafür, aber es ist eben nur ein Rezeptbuch und man wird bei der Lektüre das Gefühl nicht los, dass dem Autorenteam – wie sollte es heutzutage anders sein – die Zeit ausging. Gut, aber von O’Reilly hätte ich mir noch ne Schippe mehr erwartet. Trotzdem – man findet in diesem Buch viele wertvolle Rezepte und den zugehörigen Rezeptcode findet man auch online.

Wenn man beide Bücher verschlungen hat, und echte Praxiserfahrung hat, ist man schon mal auf einem guten Weg, aber man ist nicht zwangsläufig ein guter OXID-Entwickler. Autodidaktik ist gefragt, um ein echtes Verständnis für das Framework zu erlangen. Abgesehen davon: Was den meisten OXID-Entwicklern fehlt, ist eine aus dem Verständnis des gesamten Frameworks abgeleitete Herangehensweise an die Lösung eines Problems/Features. Objektorientiertes Denken ist eine Voraussetzung, aber keine Garantie für gute Anwendungsentwicklung mit OXID. Erfahrung ist eine essentielle Voraussetzung, denn die Rezeptküche ist quasi unendlich groß.

Plus: Interdisziplinäre Kompetenz mittlerweile fast unabdingbar

Ich kenne kaum ein dynamischeres Gebilde als den Onlineshop für den mittelständischen und größeren Sektor. Es gibt eben nicht nur das Front- und Backend – zumindest sind sie nicht so isoliert, wie man es annimmt. Es gibt die SEO-Abteilung, die Marketingabteilung, die PaymentProvider, Schnittstellen zu den externen Systemen, und und und. Hier ist neben dem Fachwissen eine hohe Kommunikationskompetenz innerhalb des Teams vonnöten, denn alle diese Bereiche sind in der Praxis mehr denn je eng miteinander verwoben. Diesem vielschichtigen Konstrukt muss eine Entwicklungsabteilung gerecht werden, indem sie den kompetenten Knotenpunkt für alle bei ihr zusammenlaufenden Fäden bildet.